Erstellt am /von Ulrike Pawel/ in FLUGBETRIEB, GESCHICHTE

ASW 15: eine Lady feiert ihren 50. Geburtstag

Die attraktive Lady stammt aus dem traditionsreichen Haus Schleicher. Ihr geistiger Vater, Gehard Waibel gab ihr den Namen „ASW 15“. Ihr Rufname wurde D-4425. Das Fotoshooting zu ihrem Ehrentag ließ sie in stoischer Ruhe über sich ergehen.

Was hat sie nicht schon alles erlebt: Erstflug 20.04.1968 durch einen gewissen G.W., Weltmeisterschaft 1968 in Polen, die erste Außenlandung: schon nach dem achten Start. Als Prototyp flog sie in Deutschland und halb Europa herum und ließ sich bestaunen. Schließlich kam sie in feste Hände und flog privat weiter. Eines Tages im Jahr 2000 wurde sie in den Hänger geschoben und – vergessen.

Bis zum im Sommer 2010: Da kamen zwei junge Prinzen, Jonas Kamm und Moritz Schmiede, des Weges und küssten sie aus dem Dornröschenschlaf wach. Gerade noch rechtzeitig bevor das LBA sie wegen des fehlenden akutellen Lufttüchtigkeitszeugnisses endgültig still gelegt hätte.

So kam sie nach Bensheim. Die gründliche Untersuchung bestätigte: Technisch war sie in Ordnung – nur ein bisschen muffig nach der langen Zeit im Hänger. Diesem und anderen Äußerlichkeiten konnte u.a. mit einem neuem Sitzbezug Abhilfe geschaffen werden. Der Prüfer gab seinen Segen und vor allem den ersehnten Stempel auf den entsprechenden Papieren. So durfte sie sich 2011 wieder in die Lüfte erheben.

Wie fliegt sie sich denn? „Total einfach! Und ruhig,“ so die einhellige Antwort ihrer Prinzen. Nur beim Start müsse man ein klein wenig aufpassen aufgrund der seitlichen Einklinkvorrichtung, des kleinen Seitenruders und des Pendelhöhenruders. „Aber kein Aufbäumverhalten und an den Rest gewöhnt man sich schnell.“

Im Frühsommer 2012 kam es zu einem herben Rückschlag: Bei einer Außenlandung wurde ihr zierliches Fahrwerk durch ein robustes Pfälzer Bewässerungsrohr in Mitleidenschaft gezogen. Das nachträglich eingebaute Einziehfahrwerk der D-4425 ist, wie einige andere Dinge bei diesem Prototyp, einzigartig. Während der kniffeligen Reparatur kamen noch weitere versteckte Baustellen zu Tage, die auch gleich mitrepariert wurden. Das Höhenruder bekam bei der Gelegenheit eine neue Lackierung. Die restliche Lackierung ist übrigens auch nach 50 Jahren noch in einem beneidenswerten Zustand, weist kaum Risse auf und hält wohl noch eine zeitlang.

Seit 2013 fliegt die Lady wieder: respektable 550 km um Stuttgart, Wettbewerbe, sportliche OLC-Ligarennen oder einfach gemütlich über der Bergstraße. Apropos, kurz vor dem Fototermin vollendete sie ihre 2000. Flugstunde.

Im Winter 2016/17 gab es noch einen neuen Instrumentenpilz und standesgemäß ein LX9000, man geht ja mit der Zeit. Der alte Höhenmesser von 1943 bekam übrigens seinen Ehrenplatz auf dem Schreibtisch ihres Piloten.

Und für die Zukunft? „Fliegen!“ – Und vielleicht einen neuen, bequemeren Hänger, man wird ja schließlich nicht jünger.

Wer mehr über die technischen Raffinessen und die Geschichte der ASW15 wissen möchte, sollte sich die Juni-Ausgabe des aerokuriers nicht entgehen lassen.

Luftaufnahme ASW-15: Lars Reinhold (aerokurier)