Erstellt am / von Ulrike Pawel / in WETTBEWERB

Mit der „Rennsemmel“ den Wolken-Highway entlang

„Guten Morgen liebe Zuhörer, noch ist es etwas frisch, aber heute erwartet uns endlich der Sommer: angenehme 20 Grad und viel Sonne! Da stören selbst ein paar harmlose Schönwetter-Wölkchen nicht weiter…“ Stören? Ganz im Gegenteil, da lacht das Segelfliegerherz!

Samstag: Tag der weiten Strecken

Wetterkarten eingehend studiert, optimale Routen geplant, die Streckenflugausrüstung gepackt und den Schlepppiloten für Samstag Morgen bestellt. Wenn man dann noch gut ausgeschlafen rechtzeitig alles aufgebaut hat und startklar ist, können große Dinge gelingen: 835 km standen am Abend auf der Kilometeranzeige von Felix Maier, der weiteste Bensheimer Flug an diesem Wochenende, aber nicht die einzige große Strecke. Sechs weitere Flüge über 500 km an einem Tag sprechen eine deutliche Sprache. Persönliche Bestmarken fielen mehrfach, z. B. Jana Schmidt mit 500 km, Karsten Piepenburg 700 km (sonntags) Franziska Pawel 300 km (So).

Foto: Das erste Eis direkt nach einem laaangen Flug kommt genau richtig

Zum Teil kräftige Thermik, angezeigt durch schöne Cu-Wolken, hohe Basis, mäßiger Nord-Nord-Ostwind waren gute Voraussetzungen. Aber: Zur falschen Zeit am falschen Ort und der Flug endet (zunächst) am falschen Flugplatz. Die Kurswahl am Morgen Richtung Westen war weniger erfolgreich als die Routen zunächst gen Osten. Bis Mittag hatte auch der Pfälzer Wald wieder gute Bedingungen zu bieten. Der Tag endete mit vielen schönen Flügen, aber das Bundesliga-Rennen wurde erst am nächsten Tag entschieden.

Sonntag: Tag des Rennens

Das Wetter versprach wieder ähnliche Voraussetzungen: Kaltluft und mäßiger Wind, dieses Mal etwas mehr aus Osten, ausreichend Feuchtigkeit für den Aufbau verlockender Wolkenstraßen.

Foto: Schicksal Windenfahrer (Foto: Lukas Etz)

Tags zuvor noch im „Windenkäfig“ als Windenfahrer lange an den Boden „gebannt“, packte Lukas Etz am Sonntag früh entschlossen seine „Rennsemmel“, eine Mini-LAK, aus und sauste davon: Innerhalb der 2,5 h Bundesliga-Wertungszeit legte auf seinen Flug in den Frankenwald einen beachtlichen Schnitt von 116 km/h hin. „Auf die erste Stunde hätte ich zwar verzichten können, aber danach ging’s wie’s Lottchen. Rückenwind und Wolkenstraße sind genau das Richtige für den kleinen Flitzer“, kommentierte Etz zufrieden seinen Flug.

Foto: Die „Rennsemmel“ wartet auf ihren Einsatz

Foto: Die „Rennsemmel“ wartet auf ihren Einsatz

Felix Maier, wieder frisch ausgeruht, folgte bis nach Coburg, ebenfalls mit einem flotten Bundesliga-Schnitt von 115 km/h. Karsten Piepenburg steuerte auf seinem großzügigen Dreieck um Stuttgart herum den dritten Wertungsflug bei. Der Bundesliga-Schnitt von 110 km/h sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die anderen Abschnitte dieses langen Fluges wesentlich langsamer und entsprechend anstrengender waren. Übrigens gab es dafür, ebenso wie bei Maier am Vortag, in der DMSt-Wertung über 1.000 Punkte.
Das erfreuliche OLC-Speed-Ergebnis in dieser Runde: Platz fünf und das obwohl erstmals alle 30 Vereine der zweiten Bundesliga an den Start gegangen sind. In der Tabelle haben sich die Bensheimer auf den neunten Platz vorgeschoben.

Foto: Warten auf den letzten Heimkehrer: Schafft er es oder nicht? Er schaffte es!

In der Wertung „Young Eagle Speed Cup “ sind in der Hessenwertung aktuell mit Franziska Pawel und Jana Schmidt gleich zwei junge Bensheimer unter den besten zehn Piloten (und am Rande erwähnt: auch die einzigen Damen unter den ersten 40 Piloten).
Die flotten Mädels puschen damit gemeinsam mit den Jungs auch die Bensheimer Jugend in der Tat voran: Tabellenplatz fünf der bundesweiten und hessischer Tabellenführer in der OLC-U25 Mannschaftswertung. Da ist Potential, das lässt für die Zukunft hoffen.

Insgesamt flogen die 20 Bensheimer Streckenflugpiloten und -pilotinnen an diesem Wochenende gut 9.500 km, dank der „harmlosen Schönwetter-Wölkchen“.

Funksprüche:

  • „01, bist Du das da ganz weit oben, deutlich über den Wolken?“ – „Ehm, nein, ich bin das ziemlich weit unter den Wolken und grabe mich gerade wieder aus.“
  • „Heute habe ich mal einen großzügigen Endanflug gemacht. Mein letzter endete in Weinheim…“ – „Geht ja noch. Andere endeten schon in Essweiler…“
  • „Und, hat es für ein 500er gereicht?“ – „Nein, laut OLC sind es leider nur 499,9 km.“ – „Moment. Lade es mal in Weglide hoch. Geht doch: 501 km freier Flug. Herzlichen Glückwunsch zum ersten 500er-Diamanten!“
  • Flugschüler: „Neues Flugzeug? Welche Gleitzahl hat es denn?“ – Streckenflieger: „Neuer Flieger? Welcher Index ?“ – Leichte Piloten: „Welche Mindestzuladung?“
  • „Hast du einen Schlüssel für das Getränkelager?“ – „Nein, so weit ich weiß ist der nur für die Tankstelle.“ – „Der passt bestimmt. Das Getränkelager ist doch die Tankstelle für die Segelflieger!“ – „???“ – „Außerdem hast Du als neuer Vorsitzender einen Generalschlüssel!“ – „Ach so.“
  • „So, Feierabend, alles drinn’, Hallentore zu.“ – „Moment, die HG fehlt noch.“ – „Wer? Wieso?“ – „Die fliegt noch.“ – „Immernoch?“ – „Das hoffe ich.“