Posted on / by Ulrike Pawel / in VEREINSLEBEN

Wellen- und Hangflugtreffen: Neue Ein- und Ausblicke

Frühlingshaftes Wetter, die ersten schönen Cumulanten am Himmel – trotzdem versammelten sich zahlreiche Segelflieger aus dem ganzen Südwesten im Bensheimer Clubheim, um sich wieder über Wellen- und Hangflug auszutauschen. Die Organisatoren Peter Franke ( SFZ Ludwigshafen-Dannstadt ) und Andreas Maurer (DJK Landau) hatten erneut interessante Vorträgen zusammengestellt, die das Thema aus ganz unterschiedlichen Aspekten beleuchteten.

Hangflug aus Sicht des Controllers

Reimar Möller, selbst Segelflieger und Controller des Mannheimer Verkehrslandeplatz (EDFM) schilderte den Hangflug aus seiner beruflichen Perspektive. Er erläuterte ausführlich die Problematik, warum Segelflugzeuge, die dicht am Anflugsektor fliegen, unbeabsichtigt ein größeres Motorflugzeug bzw. Jet im IFR-Anflug zum Durchstarten zwingen können und welche Konsequenzen damit verbundenen sind (erneuter, spritverbrauchender 40 km-langen Anflug, meldepflichtigen Vorfall,…).

Wertvoll war Möllers Hinweis auf die ICAO-Karte, auf der nicht nur der jeweiligen IFR-Anflugssektoren verzeichnet sind, sondern auch die Stelle, an der standardmäßig der IFR-Endanflug mit einer definierten Höhe mit einem Kreuz gekennzeichnet ist. „Den üblichen Segelflugnavis fehlt diese wichtige Info bisher leider. Denn ein Jet im Landeanflug hat Vorflugrecht, auch gegenüber einem Segelflugzeug!“

Es folgten detaillierte Informationen über Kollisionswarngeräte (ACAS/TCAS). „Das Gerät wertet Transpondersignale, keine FLARM-Signale aus“, erläuterte Möller. „Wenn die Warnung kommt, muss der Pilot sofort reagieren und den Anflug abbrechen – und wir einen Bericht schreiben.“ In letzter Konsequenz könnten zu viele Vorfälle zu neuen Luftraumstrukturen führen, die niemand, weder Pilot noch Controller, wolle.

Daher der Wunsch:

  • „Bitte Transponder an – sehen und gesehen werden kann Leben retten!“
  • „Ruft rein, wenn ihr in Pistenverlängerung kreist oder am Hang fliegt. Habt keine Hemmungen.
    Nur Zuhören reicht nicht: Der IFR-Verkehr ist uns bekannt (Flugplan), meldet sich im Funk erst kurz vor dem Aufsetzen (2 NM) für die Landefreigabe. Wir können rechtzeitig informieren, wenn wir wissen, dass ihr da und hörbereit seid!“
Foto: Referent Reimar Möller

Ausweichen am Hang

Hangflugregeln – Ein trockenes Thema, das Referent Andreas Weskamp (SFG-Bensheim) mit interaktiven Live-Abfragen spannend gestaltete. Dabei wurde deutlich, dass die meisten Anwesenden wegen Spaß am Hang fliegen, sich als erfahren einschätzten, aber trotzdem großen Respekt vor dem Verkehr und der niedrigen Flughöhe hatten. Wie und wann Hangflugregeln gelten, darüber gab es unterschiedliche Meinungen.

„Wenn über 40 Flugzeuge gleichzeitig am Hang mit verschiedenen Intentionen (Ausbildung, Leistungsfliegen…) unterwegs sind, wird es eng. Das Ausweichen gestaltet sich bei Pulkbildung und Parallelflug besonders kompliziert.“
Die generellen Ausweichregeln sowie die Hangflugregeln der Segelflugordnung (SPO) sollte jeder kennen. Wobei gerade die Hangflugregeln (entwickelt für steile Hänge mit starkem Aufwind) für den Bergstäßer Hang (geringes Höhenprofil, Engstellen wechseln mit breit nutzbaren Bereiche ab) nicht immer optimal passend seien und deshalb im Detail unterschiedlich interpretiert werden könnten. Hier wäre eine örtliche Präzisierung der Regeln im Rahmen der SPO überlegenswert.
„Wieder gilt: Sehen (Aufmerksamkeit) und gesehen werden ist ganz wichtig. Ein funktionierendes Flarm (Update!) und (Hauben-) Blitzer sind hier extrem hilfreich, dagegen sollten Parallel-/Pulkflug ein No-go bzw. No-fly sein.“

In der anschließenden Diskussion wurde angeregt, eine kleinen Flyer mit den wichtigsten Infos für alle Piloten am Bergsträßer Hang zusammenzustellen und zu verteilen.

Foto: Referent Andreas Weskamp

Wellenflüge

Für (informative) Entspannung sorgten die Schilderungen und eindrucksvollen Fotos von Wellenflüge durch Klaus Leitner und Peter Franke (beide SFZ Ludwigshafen-Dannstadt), wobei die Details wie Vorbereitungen, meteorologische Vorhersagen besonders für Wellenfrischlinge von Interesse waren. Die Querung des Rheintals zum Etztal bei Westwelle hingegen gab den erfahrenen Piloten neue Anregungen.

Dass ein Segelflug in einer Außenlandung endet, ist nichts Außergewöhnliches. Ein Segelflugzeug mitten im Winter auf einem Feld und die Bergung des Doppelsitzers mit schwerem Gerät aus dem aufgeweichten Gelände erregt schon eher Aufsehend („glücklicherweise ohne Schäden, aber mit viel Putzarbeit“).

Aufschlussreich waren die Erläuterungen des betroffenen Referenten, wie es trotz Turbomotor und einem Flugplatz in direkter Nähe überhaupt zur Außenlandung kam. Der Turbo versagte (kein Probelauf nach dem Ausklinken!). Durch den damit verbundenen Stress, kombiniert mit den sich verschlechternden Wetterbedingungen (Sicht) entdeckten die Piloten den Platz nicht sofort. Dafür aber ein gut landbares Feld, welches sie konsequenter Weise nutzten. Für eine Diskussion, ob man bei bekannt zunehmender Feuchtigkeit (sehr oft bei Westwelle) überhaupt zu einem Wellenflug starten sollte, bot die lockerer Runde nach den Vorträgen ausreichend Möglichkeiten.

Foto: Referent Klaus Leitner

Funksprüche:

  • „Dass auch schön aussehende Äcker im Winter vielleicht nicht so schön sind wie im Sommer, hatten wir vorher in der Tiefe nicht erfasst…“
  • „Ausweichen geht nur, wenn man weiß wohin man ausweichen muss – und der ‘Gegner’ das auch weiß. Sonst trifft man sich schlimmsten Falles in der Mitte.“
  • Controller: „Wie kalt ist es bei Euch“ Pilot in der Welle: „So etwa -30°C“ – „Huhh, das ist kalt.“