Erstellt am / von Ulrike Pawel / in EVENT, FLUGBETRIEB, JUGEND

Fliegen in den Ferien: Woche 2

Die neue Woche begann, wie die letzte endete: heiß! Dafür hatte sich die Winde etwas Neues einfallen lassen: Der gut 60 Jahre alte Fahrmotor des LKWs stotterte, bis er schließlich den Dienst komplett quittierte. Glücklicherweise funktionierte die Winde selbst problemlos, so dass Windenbetrieb weiterhin stattfinden konnte.

Dazu musste nur der Winden-LKW per Muskelkraft aus der Halle geschoben werden, bevor er vom Traktor an seinen Einsatzort je nach Startstelle gezogen wurde.

Foto: Windenschieber in Aktion

Fluglehrer sind angesehene, wichtige Personen an einem Flugplatz, oft umschwärmt von Flugschülern, die auf einen weiteren Schulungsflug oder Flugauftrag hoffen. Aber dieses Mal fühlte sich Fluglehrer Matthias Neubacher zunehmend unangenehm bedrängt, insbesondere von den weiblichen Vertretern. Die aufdringlichen Damen, übrigens alles ebenfalls Fliegerinnen, gekleidet in einem modischen schwarz-gelb-geringelten Einheitsdress, gingen ihm gar an bzw. unter die Wäsche! Ein schmerzhaftes Erlebnis für den „Beglückten“. Wie sich herausstellte, lag diese ausgeprägte Euphorie nicht an der Aura des Fluglehrers, sondern mutmaßlich eher an dem betörenden Duft seines Sonnenschutzes: Kindersonnencreme!
Nebenbei bemerkt machten die Damen auch anderen in ihrer „eindringlichen Art“ zahlreiche unangenehme Aufwartungen. So ein Stich in den Allerwertesten senkte die Begeisterung für den bevorstehenden Flug beträchtlich…

Dienstag: Donnergrollen

Der Flugbetrieb und die Schulung liefen trotz der Hitze routiniert weiter: Moritz Schmiede und Axel Allgaier komplimentierten die Fluglehrercrew um Matthias Neubacher, Andy Boml und Hans Rau, Flugschüler präsentierten ihr Start-/Landekünste für die B-Prüfung, zur Abwechslung ein echter Vorseilriss, ein Batteriestecker streikte und wurde ersetzt, junge Piloten chauffierten ihre Freundin durch die Lüfte usw.

Foto: Fluglehrer in Aktion

Doch dunkles Grollen über Zwingenberg verhieß Unheil. Schnell wurde der Start an Startstelle 14 eingepackt und alle Flieger ratzfatz in die Halle bzw. Hänger verstaut. Schon frischte der Wind herzhaft auf. Da meldete sich plötzlich ein Ultraleicht-Motorsegelflugzeug zur (Sicherheits-) Landung vor dem drohenden Gewitter. Alle packten mit an und in Rekordzeit unter 5 min war das kleine Fliegerchen auseinander genommen und in der Werkstatt sicher untergebracht. Schmollend verzog sich das Unwetter in den Odenwald ohne für Regen oder richtiger Abkühlung zu sorgen. Der Himmel klarte auf, das Fliegerchen wurde wieder aufgebaut und konnte unbeschadet zurück nach Reinheim fliegen. Drei Flugschüler nutzen den frühen Abend, um sich der Theorie-B-Prüfung zu stellen. Gemeinsam mit Fluglehrer Andy Boml besprachen sie anschließend die Lösungen.

Foto: Open-Air Prüfung

Mittwoch: Sport und Kultur

Segelflug ist Sport. Flugsport – möchte der gutunterrichtete Leser konkretisieren. Nein, manchmal ist es auch Kraftsport, z. B. beim Aufrüsten eines Doppelsitzers oder einer LS3. Die Begeisterung für die morgendliche Trainingseinheit „Winde aus der Halle an die Tankstelle schieben“ ließ jedoch schnell nach.

Fluglehrer Andy Boml nutzte die kühlen, „nur“ 27º C schwülwarmen Morgenstunden, um tief in die Geheimnisse des Winden-Fahrmotor einzutauchen und ihn wieder gangbar zu machen. Dank telefonischer Unterstützung durch seine „Ourewäller-Schrauber-Konäckschäns“ fand er das Corpus Delicti: Ein Filter in der Dieselleitung war verstopft. Kaum war die Leitung frei, brummte der Motor zufrieden vor sich hin. So konnte die Winde wieder autark zu ihren jeweiligen Aufstellplätzen bzw. in die Halle fahren, an diesem Tag sehr vorteilhaft, wie sich noch herausstellen sollte.

 

Foto: Filter Winde

Wenn im Wetterbericht etwas von „umlaufenden Bodenwind“ steht, könnte ein erfahrener Segelflugpilot erahnen, dass dies möglicherweise in einen ausgeprägten „wandernden Segelflugbetrieb“ ausarten kann: Die ersten F-Schleppeinweisungen begannen bei fast ruhendem Wind noch auf Startbahn 32. Der Wind pendelt auf südliche Richtung, Startaufbau für Windenbetrieb auf 14. Aufkommenden Rückenwind um die Mittagszeit bedeutete Umzug auf 32. Als der Wind wieder auf 14 zurückschwenkte, beschloss die Mannschaft, die Wanderung bzw. den Windenflugbetrieb vorzeitig einzustellen. Rechtzeitig hatte sich die ASK-21-Besatzung nach Heppenheim abgesetzt, um dort die in der Ausbildung geforderten (Winden-) Starts und Landungen auf fremden Platz zu absolvieren. Im Gegenzug landeten zwei Heppenheimer in Bensheim mit dem gleichen Anliegen. Sie hatte leider etwas Pech, denn die Winde (s.o.) war schon abgebaut. Daniel Ronizi flog mit seinem Fluglehrer Andy Boml eine gelungene meteorologische Einweisung – und rund 220 km mit dem Doppelsitzer G103.

Fluglehrer Andy Boml nutzte die kühlen, „nur“ 27º C schwülwarmen Morgenstunden, um tief in die Geheimnisse des Winden-Fahrmotor einzutauchen und ihn wieder gangbar zu machen. Dank telefonischer Unterstützung durch seine „Ourewäller-Schrauber-Konäckschäns“ fand er das Corpus Delicti: Ein Filter in der Dieselleitung war verstopft. Kaum war die Leitung frei, brummte der Motor zufrieden vor sich hin. So konnte die Winde wieder autark zu ihren jeweiligen Aufstellplätzen bzw. in die Halle fahren, an diesem Tag sehr vorteilhaft, wie sich noch herausstellen sollte.

Foto: ein gelungenes Open-Air-Konzert

Donnerstag und Freitag: Endlich Erholung

Endlich, ein unüberhörbares Tropfen auf der Zeltplane gewährte das langersehnte Ausschlafen! Ausspannen, kein Flugbetrieb. Die letzten Tage hatten viel Kraft gefordert.
Man hätte freitags vielleicht etwas Schulungsbetrieb zwischen den angekündigten Schauern machen können, zumal das Wetter etwas besser war, als angekündigt. Aber ein weiterer Erholungstag tat allen gut, besonders wenn man den Tag in der Odenwaldtherme verbrachte.

Samstag: Gelungener Abschluss

Frisch und ausgeruht konnte der Flugbetrieb am Samstag Morgen wieder starten. Startunterbrechungen und Seitengleitflug (Slip) wurden geübt, Kompasskurse erflogen, das ganz normale Schulungsprogramm.
Auf die erste, neue offizielle Gastflugeinweisung nach Scheinerhalt freute sich Franziska Pawel. Noch mehr amüsierte sich Fluglehrer Matthias Neubacher, der mit einer fast diebischen Freude in seiner Rolle als „Test-Fluggast“ völlig aufging: Zahllose unbedarfte, teils auch anstrengende Fragen prasselten auf die Pilotin ein, alle möglichen Hebel setzen sich zu unmöglichsten Momenten in Bewegung – oder auch nicht, weil der „Gast“ heimlich daran „herumspielte“. Selbstredend, dass er im Moment höchster Konzentration (Start) laut jubeln aufschrie und sich genau so verhielt, wie man es sich von einem Gast nicht wünschen würde. Die Pilotin meisterte alle Situationen souverän und bewies damit, dass sie nicht nur allein, sondern auch mit Gästen fliegen kann.

Der Abend und damit der „Flugbetrieb in den Ferien“ klang im großen „Coronakreis“ bei klassischen Gitarrenklängen gemütlich, aber mit Abstand, aus. Nur hier und da sammelten eifrige Flugschüler noch Unterschriften für ihren Ausbildungsnachweis ein…

Foto: zum Ausklang ein klassisches Gitarrenduett

Fazit:

Trotz Coronakrise und brütender Hitze brachten diese 14 Tage Flugbetrieb die teilnehmenden Flugschüler ein großes Stück in ihrer Ausbildung voran. Die Gemeinschaft auf Abstand mit Hygieneregeln war ungewohnt, aber machbar. Auch ohne organisierte Mannschaftsverpflegung und geschlossener Kantine verhungerte niemand. Im Gegenteil, „Back to the Roots“ mit Campingkochern und Gartendusche hatte auch seinen Reiz. Notfalls gab es einen örtlichen Lieferservice.
Dank gilt allen Beteiligten, die durch ihren Einsatz zum Gelingen beigetragen haben.

Galerie

Für die Statistiker

Schulung:

1x offizieller 50 km Flug, 1x Fünf-Stundenflug, 3x Streckenflugeinweisungen, Landungen auf fremden Platz, 3x B-Prüfung Theorie und Praxis, 3x C-Prüfungen, 7x Typenflug, 5x F-Schleppeinweisungen, 9x Seilrissübung, 12x Wespenstiche
Anzahl Schulungsflüge: 320; teilnehmende Flugschüler 19; aktive Fluglehrer: 7

Insgesamt:

566 Flüge, 343 Stunden Flugzeit, bis Sonntag einschließlich rund 18.000 Streckenflugkilometer und ca. 350 Liter Mineralwasser

Funksprüche

  • „Rechts vorhalten!….Das andere Rechts vorhalten…Nicht so viel vorhalten…“ – „Was fliegt der denn für Kurven am Windenseil?“ -“Der sucht schon Thermik.“
  • „Die HG muss noch in die Halle.“ – „Warum? Das ist doch eine LS3. Ich dachte, die gehört Uwe….“
  • „Wir wollten die Starts auf fremden Platz bei Euch machen. Äh, wo ist eigentlich Eure Winde?“ – „Abgebaut!“ – „Das ist jetzt aber doof. Gut, dann fliegen wir halt per F-Schlepp wieder zurück nach Heppenheim.“
  • „Das ist wieder typisch: Ein Batteriestecker für die ASK21 ist kaputt: Beim Elektrikfachgeschäft muss er extra bestellt werden. Bei Fritz Schader kann er direkt abgeholt werden…“
  • „Interessanter Wetterbericht: spricht von hochreichende Labilisierung, zeigt aber seltsamerweise keine Thermik…“ – „Vielleicht ist die Thermik so depressiv, dass sie lieber gleich unten bleibt…“
  • „81 an der Position West zur Landung für die 14…“- „Ok, ich sehe dich an der Position Ost. Die 32 R ist frei.“
  • „Andi, ist dir schon mal der Hebel für die Ka8-Haubenverriegelung kaputtgegangen?“ -“Nö!“ – „Mir auch nicht. Aber jetzt funktioniert er nicht nicht mehr…“ -“Ha, jetzt geht er wieder. Wir können weitermachen.“
  • Am Abend, Startwagen kommt zurück zur Halle, Fahrer: “Eh, wo sind die ganzen Flugzeuge?“ – „Eingeräumt.“ -“Wahnsinn wie schnell das gehen kann. Sonst immer dauert das gefühlt mindestens eine Stunde…“
  • „Hey, die Störche veräppeln mich. Hier geht’s gar nicht hoch, hier ist nur Saufen…“ -“Die richten sich nach Dir. Das werden die Jungtiere, also Anfänge sein…“
  • „Ich habe gerade ¼ GB Datenvolumen verheizt, um meiner Mutter, die nicht kommen konnte, einen Konzertausschnitt zu schicken…“
  • „Schau an, Oliver lässt seine beiden Drachen steigen…“ -“Ein Doppeldrachen sozusagen…“
  • Windenstart: „Mann, die ASK21 steigt aber…Wer sitzt denn da drinn? – „Zwei leichte Mädchen mit ein bisschen Blei.“ (Ausklinghöhe: 450 MSL 🙂