Erstellt am /von Ulrike Pawel/ in FLUGBETRIEB, JUGEND

Fortsetzung Fliegerlager: ein echter Montag Morgen

Wo ward ihr heute?- Wandern. – Ah, eine Platzrunde zu Fuß.

Immer noch plätschert der Regen gegen die Zeltplane. Bilanz der Nacht: ca. 100 l/m² Niederschlag, vereinzelte Straßenabsperrungen aufgrund Überflutungen. Ein Zelt komplett geflutet, in drei Zelten gab es nasse Füße, aber kein größerer Wassereinbruch. Gegen Mittag lässt der Regen nach, es klart auf: Ausräumen!

Um die durchweichte Wiese zu schonen, wird nur ein Windenseil auf der asphaltierten Bahn ausgezogen. Die Wolken heben sich und, kaum zu glauben, kommt die Sonne durch. Damit entwickelt sich zaghafte Thermik.  Zumindest genug, dass sich die Flugschüler etwas halten können. Es wird der Tag mit den meisten Windenstarts bisher sein.

Am Abend sorgt die nun komplettierte Flugplatzband für Livemusik unplugged, unterstützt von einem stimmgewaltigen Chor. Wenn man schon auf dem Flugplatz des selbsternannten „Bob-Dorfes“ Ohlstadt nächtigt, dann ist das Lied „Ich fahre mit dem Bob“ unumgänglich. So rauscht der Bob mit seiner begeisterten Mannschaft durch die dunkle Nacht…

Dienstag: weiß-blauer Himmel

Das Wetterbriefing findet heute wieder auf der Terrasse statt, dieses Mal mit Großbildschirm. Die DWD-Wetterkarte zeigt alles grün, Steigwerte 2 m/s, Flugdistanzen bis 500 km. Jubel! Begeisterung! – Halt Stop, das war Bensheim.

Hier sind die Verhältnisse bescheidener: 0,5 – 1 m Steigen, Höhen von 1200m auf 1900m ansteigend. Bei 660 m Platzhöhe ist das nicht wirklich berauschend. Zum Vergleich: Der Hausberg Heimgarten hier ist knapp 1800 m hoch, dagegen wirkt der Melibokus wie ein kleiner Hügel.

Aber für den Schulungsbetrieb gerade richtig. Dank zwei importierter Vorseile mit roter Sollbruchstelle können die Starts der Einsitzer vereinfacht und die Frequenz erhöht werden. So kommen alle Vereinseinsitzer zügig in die Luft, die Flugdauer schwankt zwischen fünf Minuten und zwei Stunden. Nicht immer halten die schönen Wolken dass, was sie versprechen. Sie halten sich wohl eher an die bayrische Philosophie, wo Fremde „Nicht-Bayern“ sind, die man mit einer gewissen Gleichgültigkeit behandeln darf und wo manches anders läuft, als man als Gast denkt…

Für Flachland-Tiroler ungewohnt ist das Horizontbild: Lässt sich im hessischen Ried das Horizontbild klar in Himmel und Erde unterteilen, wächst hier der Boden im wahrsten Sinne des Wortes mancherorts in den Himmel (Berge), verschwimmen die Grenzen. Dann heißt es peinlich genau auf die Fahrt zu achten, um die Nase nicht über den Horizont zu ziehen und zu langsam zu werden.

Am Ende sind alle, die fliegen konnten, glücklich.

Mittwoch: Saunatag

„Um es kurz zu machen: Es gibt hier wieder eine aktuelle Hochwasserwarnung für heute.“ Schnell wird sicherheitshalber noch das Zelt imprägniert. Bis auf eine kleine Stallwache zieht es alle in die Therme bzw. in die dortige Saunalandschaft.

Der Vorteil der finnischen Sauna gegenüber der Cockpitsauna vergangener Woche: Man hat nichts an und erfrischt sich anschließend im Tauchbad oder hier alternativ direkt im Kochelsee.

Die Idee des textilfreien Fliegens wurde jedoch verworfen. Über die Ausführungen eines optimalen, mobilen „Erfrischungs-Beckens“ am Start entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein….

Lager-Splitter:

  • Örtlicher Flugleiter:„Hola, die ASW27 hat aber einen langen Flugzeugschlepp. Schon fast eine Stunde, meine Güte!“ – „Diese Pilotin ist vor mir mit der Winde gestartet, da bin ich mir ganz sicher! Außerdem startet die nur in Ausnahmefällen per F-Schlepp.“
  • „Ich hab‘ Recht!“- „Warum?“ – „Weil ich ein Mädchen bin!“ – „Und warum sollen Mädchen Recht haben?“ – „Weil Mädchen ein Gehirn haben!“ – „Aha. Und was haben Jungs?“ – „Nix!“ (Gespräch zwischen einem kleinen Mädchen und einem Fluglehrer)
  • „Hat jemand noch eine Anhängerkupplung frei? Moritz sein Turbolader ist kaputt!“ – „Aha.“ (breites Grinsen in der Runde) „Der Turbolader seines Busses ist hin und ich habe keine Lust, bei der Heimfahrt mit 30 km/h die Berge raufzukriechen!“ – „Ach so, kein Problem, ich kann Deinen Anhänger nach Hause ziehen…“
  • „Andere laufen im Schweiße ihres Angesichts hoch zur Bergspitze und schauen ganz neidisch, wie ich bequem sitzend in einem Segelflugzeug den Hang hoch komme…“
  • „Dann üben wir heute schon mal für den textilfreien Flugbetrieb.“
  • „Wo ward ihr heute?“ – „Wandern.“ – „Ah, eine Platzrunde zu Fuß.“ – „Von wegen Platzrunde. Das waren 700 Höhenmeter, so hoch kam ich bisher noch nicht an der Winde!“