Flugbetrieb Hangwind
Erstellt am / von Ulrike Pawel / in FLUGBETRIEB

Hangflug: Fähnlein im Wind…

Der Blick schweift langsam über den Flugplatz zum Windsack. He, das sieht nach frischem Westwind, nach Hangwind, aus. Freude kommt auf, schon beginnt das Wett(auf)rüsten. Flugzeuge an den Start geschoben, Schlepppilot gefunden und ab geht die Post.

Samstag Mittag
Kurz vor dem Start ein schneller Blick zum Windsack. Moment, hat der etwa auf Süd gedreht? Naja, vielleicht eine kurze Böe. Seil straff, immer noch auf Süd? Es war doch Westwind angekündigt. Egal, los geht’s.

Flugbetrieb HangwindAber der Wind bleibt eisern auf Süd. „Am Auerbacher Schloss ist tote Hose.“ Der Erste landet schon wieder, noch bevor das Feld komplett in der Luft ist. „Am Melibokus finde ich auch auch nichts Richtiges, nur Saufen.“ Schon kommen die nächsten kleinlaut um die Ecken zurückgeschlichen. Wenige Minuten später wird auch der letzte Flieger vom „Himmel gewaschen“. Ungläubig öffnet der Pilot die Haube – und schließt sie gleich wieder, als ihn der (südliche) Regen entgegen brasselt.

Flugbetrieb Hangwind„Ok, war eine nette Übung“, so ein leicht frustrierter Pilot, als er vor dem Schauer in die trockene Halle flüchtet. Die Flugzeuge werden wieder zum Trocknen sorgfältig abgeledert, abgerüstet und verstaut. Man trifft sich noch auf einen Kaffee in der Kantine. Der Blick schweift langsam über den Flugplatz zum Windsack. Wie jetzt? Westwind? – Ja, und zwar konstant bis zum Einbruch der bürgerlichen Dämmerung. Ob das Absicht war? Das Fliegerleben kann schon gemein sein.

Sonntag Morgen
Der Blick schweift langsam über den Flugplatz zum Windsack: Ha, Westwind, und was für einer, richtig kräftig. Freude kommt auf, schon beginnt das Wett(auf)rüsten. Flugzeuge an den Start geschoben, Schlepppilot gefunden und ab geht die Post mit dem ersten Kandidaten.

Sicherheitshalber kurzer Blick zum Windsack. Immer noch Wind aus gut 250 Grad, aber, oha, wirklich kräftig, bockig. Die nachfolgenden Piloten beobachten erstmal, wie sich die Sache entwickelt.

Der Start auf der Bahn 32 ist sportlich. Ab 1000 m wird es etwas ruhiger, angezeigte Geschwindigkeit gegen den Wind: 150 km/h, über Grund: 35 km/h. Max Deichmann klingt aus und steigt parallel zur Bergstraße auf knapp 2800m: „Es stieg großflächig, aber immer wieder waren Wolken im Weg. Wirklich Spaß gemacht hat das nicht. Das war alles andere als ein ruhiger Wellenflug.“
Die Landung sieht spannend aus, („Das war sie auch!“), aber Deichmann meistert sie, leicht schwitzend, doch unbeschadet wie zuvor der Schlepppilot.
Die Begeisterung der Kollegen ist verflogen. Da piept das Handy: Sturmwarnstufe 3 mit Orkanböen, das ist dann doch ein Bisschen viel (West-)Wind. Die Flugzeuge werden wieder abgerüstet. Aber immerhin, dieses Mal sind alle trocken und das Wichtigste, alles ist heil geblieben.

Das Fliegerleben kann schon gemein sein. An manchen Tagen sollte man den Flugplatz vielleicht besser Kindern zum Drachensteigen überlassen…

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