Erstellt am /von Ulrike Pawel/ in EVENT, JUGEND

Opa-Wolf- Pokal Vielbrunn: Boule-Spiel mit Flugzeugen

3. Oktober, morgens um 5:58 h: müde Gestalten schlurfen über den dunklen Bensheimer Flugplatz, hängen den Ka8-Hänger an ihr Auto und entschwinden in die Tiefen des Odenwaldes. Pünktlich mit der aufgehenden Sonne erreichen sie den „ersten römischen Feldflugplatz Vielbrunn“.
Hier hat sich schon ein mehr oder weniger munteres Völkchen mit ihren „Vögeln“ versammelt: Ka 2, ASK13, Slingsby, und natürlich weitere Ka 8ten, aber kein Segelflugzeug aus Kunststoff.

Die Erklärung: Der Opa-Wolf-Wettbewerb wird ausschließlich auf Holzflugzeugen mit Kufen ausgetragen. „Das funktioniert wie beim Boule-Spiel: Man versucht, mit dem Flugzeug, ohne zu Hilfenahme der Radbremse, nur auf der Kufe nach der Landung möglichst dicht an das Schweinchen, in unserem Fall das Lande-T, heranzurutschen. Aber anders als beim Boule schieben wir das Flugzeug sofort wieder aus der Bahn, bevor der Nächste landet. Also den Konkurrent „wegschubsen“ geht nicht. Außerdem darf man das Lande-T nicht berühren, sonst gibt es Strafpunkte,“ erläutert Teilnehmerin Franziska Pawel.

Insgesamt stehen 51 Piloten aus den umliegenden Vereinen in unterschiedlichen Teams am Start. Die Teams sind so buntgemischt wie ihre illusteren Namen: „Sex, Drugs and Ka8“ oder passend „Zulu 200“ (die drei Piloten kommen auf insgesamt 200 Lebensjahre) bzw. das Gegenstück „Bleibomber“ (die drei Piloten sind zusammen knapp 41 Jahre alt!).

Flugs bauen die zehn Bensheimer Piloten ihre Ka8 auf. Jetzt stellt sich heraus, wie fatal ein Jackenwechsel zwischen abendlichem Ab- und morgendlichem Aufrüsten sein kann: Eine wichtige Schraube steckt offensichtlich noch in der falschen Tasche, zu Hause in Darmstadt! Doch der FSC Mümlingstal ist ein perfekter Gastgeber, man hilft gerne weiter: Für die Bensheimer gibt es eine passende Schraube. Andere, deren Ka8 unglücklicherweise kurz vor dem Wettbewerb verkauft wurde, dürfen unbürokratisch auf der heimischen Ka8 ihre Runden drehen. Und für Flugschüler steht eine ASK13 inkl. Fluglehrer bereit.

Selbst Petrus ist milde gestimmt: Die Temperaturen sind zwar kühl, der Wind beutelt die leichten Holzflieger zum Teil ordentlich, aber zwischen den Wolken schaffen es immer mal wieder vereinzelte Sonnenstrahlen. Erst zum Ende hin fallen einige nasse Tropfen.

Der Flugplatz ist etwas anspruchsvoll: Ein „Sackbahnhof“ (Start entgegengesetzt zur Landerichtung), ansteigende Bahn, Leewirkung durch begrenzenden Wald. Das erfordert eine gute Organisation, um hier innerhalb eines Tages über 100 Windenstarts mit Gästen durchzuführen.

Beim Wettbewerb selbst herrscht ausgelassene Stimmung: Fachkundig werden die interessanten Anflüge kommentiert, groß ist der Jubel der am Lande-T wartenden Mannschaft, wenn das Flugzeug nahe an der Markierung zum Stehen kommt – oder daran vorbeirutscht und die Mannschaft zur Seite hechtet. Manchmal wird dem Piloten im offenen Cockpit auf den letzten Metern noch Tips zugerufen. Kurz: Es wird viel gelacht und gescherzt.

Viel gelacht wird auch bei der abendlichen Preisverleihung, als die Namen und Platzierungen der 16 Teams verlesen werde. Erfreulich aus Bensheimer Sicht: In der Teamwertung kommt Bensheim 2 (Allgaier, Clermont, Weskamp) auf Platz 3. Die Größte Überraschung ist jedoch der zweite Platz: die einzige Damenmannschaft („Die M…“), bestehend aus den zwei Flugschülerinnen Ina Duwanoff, Franziska Pawel (beide Bensheim) sowie Carina Sokolov (Vielbrunn). Der passende Gewinn: Ein Sixpak Wilder Hirsch (Apfelwein-Mischgetränk).

In der Einzelwertung belegt Franziska Pawel Rang 9, Hoffmann Platz 7, bester Bensheimer ist auf „dem undankbaren“ Platz 4 Axel Allgaier. Doch die Bensheimer atmen hörbar auf. Weskamp erklärt, warum: „Das ist wohl der einzige Wettbewerb, wo der eigene Verein dankbar ist, wenn der Sieger aus einem anderen Verein kommt. Der Sieger „darf“ nämlich den nächsten Wettbewerb ausrichten.“ Doppeltes Glück für Bensheim: Der Sieger kommt aus Vielbrunn. Wir kommen gerne wieder!

Zitierfähige Zitate:

  • „Wie Briefing um 7:30 h? Nee, das ist viel zu früh für uns! Also wir kommen dann doch nicht.“ Anruf eines angemeldeten Clubs am Abend vor dem Wettbewerb.
  • „Das sind doch hoffentlich nur alles Bild- und keine Tonaufnahmen?“
  • „Beim Jugendvergleichsfliegen hätte der Anflug richtig viele (Fehler-)Punkte gegeben.“ – „Ja, ein sportlicher Anflug, wie durch ’nen Mixer. Aber die Landung paßt!“
  • „Platzrunde? Da ist nix rund, das sind Platzecken!“
  • „Das ist das erste Mal, dass der Windenfahrer von einem Beamten das Wort „Schneller“ gehört hat.“
  • Organisator geht auf Piloten zu: „Ähem?“ – „Axel Allgaier“ – „Mhm.“ Helfer: „Das nenn‘ ich mal eine kurze, effiziente Kommunikation!“
  • Cabrioflieger schreit während des Startvorgangs seinen Jubelruf heraus. „Wenn der so Angst hat, dass er schreien muss, sollte er sich doch ein anderes Hobby suchen!“
  • Beim Zurückschieben: „Los jetzt, mir ist kalt“ – „Das liegt nur daran, dass du an der Fläche stehst, während wir schieben!“
  • „Ha, perfekt. Ich sitze ganz dicht am Lande-T“ – „Perfekt? Du hast das T überrollt. Das gibt jede Menge Strafpunkte!“ – „Das ist jetzt aber doof.“ – „Das sind die Regeln.“ – „Auch egal, ich freue mich trotzdem über meine schöne Landung!“
  • „So ’ne offene Haube ist irgendwie ein schlechter Regenschutz“ Helfer beim Wegtragen der Cabrio-Haube als der Regen einsetzt.
  • „Es gibt auch eine Teamwertung.“ – „Kein Problem, wir sind ganz intim hier.“