Erstellt am /von Ulrike Pawel/ in WETTBEWERB

Uwe Wahlig ist Deutscher Vizemeister in der Clubklasse

Auf der Deutschen Meisterschaft der Clubklasse in Zwickau belegte Uwe Wahlig (SFG-Bensheim) den zweiten Platz. Deutscher Meister wurde Stefan Langer (SFG Donauwörth Monheim), den dritten Platz belegte Uwe Melzer (SFG Giulini Ludwigshafen). Karsten Piepenburg (SFG-Bensheim) behauptete sich gleich bei seiner ersten DM im Mittelfeld und erreichte einen respektablen Platz 26, bei insgesamt 44 Teilnehmern. Piepenburg besitzt kein eigenes Flugzeug, sondern flog mit einer vom Verein zur Verfügung gestellten LS3.

Eine Herausforderung für die Piloten stellte das „Zwickauer Wetter“ dar: Das Wettbewerbsgebiet liegt in der Schnittstelle verschiedener Wetterzonen: Erzgebirge, Fichtelgebirge, Lausitz, Thüringer Wald, so dass mit stetig wechselnden Wetterbedingungen zu kämpfen war: Es gab beispielsweise Kornvergenzlinien, die, wenn man sie denn erkannte, Schnitte von 100 km/h und mehr zuließen. Kurze Zeit später hatte sie sich u.U. schon aufgelöst und der etwas später eintreffende Kollege suchte verzweifelt den rettenden Aufwind. Diese heterogenen Verhältnisse sorgten dafür, dass es in der Wertungstabelle ein stetes Auf- und Ab gab. Lediglich der spätere Meister Stefan Langer konnte schon im dritten Rennen mit einem hauchdünnen Vorsprung Platz 1 erobern, den er bis zum Schluss nicht mehr abgab.

Während insgesamt sieben Wertungstage gelang es Wahlig, sich aus dem vorderen Mittelfeld bis in die Spitzengruppe vorzukämpfen. Er ließ sich auch von einem Rückschlag nicht aus der Ruhe bringen und holte sich am 6. Wertungstag mit seinem zweiten Tagessieg die Vizemeisterschaft, die er bis zum Wettbewerbsende erfolgreich verteidigte.

Wahlig wird damit nach der Europameisterschaft dieses Jahr in Priviedza/Slowakei auch auf der Weltmeisterschaft 2020 in Châlons-Ecury (ca. 35 km süd-östlich Reims, Frankreich) für Deutschland starten.

Nachfolgend ein detaillierter Bericht in Wertungstagen:

1. Wertungstag: Flugzeugweitwurf

Aufgabe: Racing Task: 191 km
„Ganz Europa ist frei von Flugzeugen. Ganz Europa? Nein! Ein von unbeugsamen Piloten bevölkerter Flugplatz hört nicht auf, dem schlechten Wetter Widerstand zu leisten.“ (Wettbewerbspost Zwickau)

Die Wettbewerbsleitung sah trotz der trüben Aussichten (Basis knapp 600 m) ein kleines, fliegbares Wetterfenster: Abflug war tatsächlich gegen 15 Uhr, prognostiziertes Thermikende: 17 Uhr. Ausnahmslos alle Piloten saßen spätestens nach der zweiten Wende in/um Riesa auf einem Acker/Flugplatz, manche trafen sich auch zu einem kleinen Fly-Inn. Die erste Rückholer-Rally startet, die Rückholerin Isa Held (Team Wahlig) und Marius Piepenburg (Team Piepenburg) mit Bravour meisterten. Die Piloten nahmen es gelassen. Wahlig landete auf Platz 8 und Piepenburg auf Platz 17.

An diesem Tag wurden deutschlandweit (abgesehen von Zwickau) nur acht Flüge im OLC gemeldet.

2. Wertungstag: Taktik

Aufgabe: Racing Task, 318 km
Nach einem Tag Pause sollte heute das Rennen richtig starten. „Die Wettermodelle waren sich alle einig, dass ein früher Abflug sinnvoll sei. Das hat einer meiner Konkurrenten, Lorenz Dierschke, auch gemacht – ist aber zu forsch rangegangen und hat sich prompt verzockt: Mit der Außenlandung waren alle seine Siegchancen auf einen Schlag vertan. Im Teamflug mit Karsten sind wir ganz auf Sicherheit geflogen, Hauptsache ankommen lautete die Devise“, erzählt Wahlig. „Ein sehr interessantes und lehrreiches Erlebnis,“ kommentiert Piepenburg. In der Gesamtwertung rutschte er auf Platz 26, Wahlig auf Platz 21.

3. Wertungstag: Die richtige Spur

Aufgabe: Racing Task, 275 km
„Am Vortag flog ich vor dem Erzgebirge. Doch dann waren die Anderen, die trotz niedriger Basis den Kamm entlang ritten, schneller. Jetzt dachte ich, ich fliege dieses Mal gleich über den Kamm. Wieder waren die anderen flotter, aber anderswo unterwegs: Sie flogen 10 km vor dem Kamm. So einfach war es halt doch nicht. Die schöne Aussicht über das Elbsandsteingebirge entschädigte ein wenig. Aber alles in allem ein eher unspektakulärer Tag, das Feld lag dicht beisammen,“ so Wahlig. Damit rückte er auf Platz 11 der Gesamtwertung vor, Piepenburg verbesserte sich auf Rang 23.

Aufgrund starker Gewitterneigung wurde der Folgetag neutralisiert.

4. Wertungstag: Unverhofft kommt oft

Aufgabe: Racing Task, 339 km
Das war wieder einer der Tage mit dem selektiven „Zwickauer Wetter“, obwohl die Vorhersage sich eigentlich sehr gut anhörte: frische Meeresbrise unter Hochdruckeinfluss.
„Zunächst ging es bei West-Süd-West-Wind unter einer einzigen Wolkenstraße zusammen mit Karsten flott gegen den Wind nach Sonnenberg. Auf dem zweiten Schenkel hatten wir Seitenwind, Warmluft und nur noch zerrissene Thermik, sehr anstrengend. Beim Rückflug sah ich, wie die Konkurrenz ebenfalls nach Thermik sucht. Trotzdem hatte ich kein gutes Gefühl als ich wieder in Zwickau landete,“ berichtet der spätere Vizemeister.
Die Überraschung war groß, als er mit einem 101 km/h Schnitt zum Tagessieger erklärt wurde. Mit Platz 4 in der Gesamtwertung keimte erste Hoffnung auf, es könnte vielleicht doch etwas mehr werden.

Piepenburg konnte Platz 23 der Gesamtwertung halten.

5. Wertungstag: Ernüchterung

Aufgabe: Assigned Aera Task, 100 < 320 km, Tmin 3:00 h
Aufgrund der unsicheren Wetterlage (Prognostizierte Flugdistanz 0 km) entschied die Wettbewerbsleitung eine AAT auszuschreiben. So konnten die Piloten flexibel je nach Wetterentwicklung die Strecke weiter oder kürzer wählen. „Bei maximaler Strecke wäre ein Schnitt von 102 km/h möglich gewesen. Die Wolkenstraßen waren nach der Vorhersage absehbar. Daher habe ich den ersten Wendepunkt Richtung Dresden stärker ausgeflogen. Auf dem zweiten Schenkel, wieder am westlichen Erzgebirge entlang, ging die Konvergenzlinie zunächst super. Tja, und als ich ankam, begann sie schon abzubauen. Da war für mich wieder zeitraubendes Kurbeln angesagt, während der Tagessieger hier kurz vorher noch flott mit 150 km/h durchgezischt ist. Man musste halt zum richtigen Zeitpunkt am rechten Ort sein. Immerhin tröstet ich mich, dass einige meiner direkten Konkurrenten hinter mir waren. Am Abend sah ich, wie viele andere noch vor mir waren: Tagesplatz 20. Das war ernüchternd,“ rekapituliert Wahlig.
Auf dieser Strecke hatte Piepenburg vereinsintern die Nase vorn – bis zur Auswertung am Abend: Er kassierte Strafpunkte für die Überschreitung der maximalen Abflughöhe, da kurzfristig das GPS im Moment des Abfluges ausfiel! Wie konnte das passieren? „Ganz einfach: Man stelle sich sich das folgendermaßen vor: Der Pilot möchte am GPS die Abflugbereitschaft eingeben und kommt dabei an den Killswitch…“, erläutert Piepenburg trocken.
Die Strafpunkte brachten ihn in der Tageswertung wieder ein Platz hinter den Vizemeister. In der Gesamtwertung kostete es ihn ebenfalls einen Platz (Rang 24), während Wahlig gleich fünf Plätze auf Rang neun abrutschte.

Der nächste Tag wurde wieder wegen Regen neutralisiert. Unglücklicherweise neutralisierte der Regen Piepenburgs Laptop. Immerhin hatte die Mannschaft ausreichend Zeit für Reanimierungsmaßnahmen…

6. Wertungstag: Sein oder nicht sein

Aufgabe: Racing Task: 241 km
Am Morgen regnet es zunächst immer noch. Doch die Meteorologen waren optimistisch.
Die erste Wende lag im Windschatten des Harzes. Zunächst entwickelten sich die Wolken sehr gut, aber dann ging es in eine Überentwicklung über. Gerade noch rechtzeitig schaffte es Wahlig, wieder zurück in die sonnenbeschiene Landschaft bei Laucha zu fliegen. Piepenburg, wenige Minuten hinter Wahlig, hatte dann wesentlich mehr zu kämpfen und verlor wertvolle Zeit.
„Auf dem weiteren Weg habe ich einen ganzen Pulk querab getroffen und mich gefragt, warum fliegen die denn da? Hier geht es doch auch. Später haben sie mir erzählt, dass sie mich gesehen haben und sich gefragt hatten, warum fliegt der denn da, da geht es doch nie?“, schildert Wahlig schmunzelnd. Im Endanflug lieferte er sich ein spannendes Rennen mit Lorenz Dierschke, das Wahlig knapp für sich entschied und sich damit noch vor Dierschke den Tagessieg holte. Nicht nur dass, es gelang ihm auch in der Gesamtwertung einen gewaltigen Sprung nach vorne auf Platz zwei zu kommen.

Piepenburg schaffte es auf einen respektablen 26. Tagesplatz, Gesamtwertung Platz 25.

7. Wertungstag: Sicherer Heimflug

Aufgabe: Racing Task, 373 km
Obwohl die direkten Verfolger nur 30-50 Punkte im Gesamtklassement hinter ihm lagen, behielt Wahlig die Nerven und flog auf Sicherheit. Tagesplatz 15 reichte ihm aus, seinen Vizemeistertitel zu erhalten, denn der Folgetag wurde wieder neutralisiert.

Die Route führte zunächst ins Fichtelgebirge und dann entlang des Erzgebirges gen Norden. Dort hatte Piepenburg plötzlich Probleme: Die Mückenputzerkurbel hatte sich festgefressen, „…ausgerechnet in einer Konvergenzlinie, die die Insekten aus Tschechien und dem Erzgebirge in sich vereint hat. Ab da hieß es dann nur noch sicher nach Hause kommen…“. Es glückte. Als 41., aber immerhin nicht als Letzter kam er heim, mit vielen Fliegen auf der Fläche, jedoch ohne einen Mückenputzer auch verloren zu haben.

Sein Fazit:

„Ich habe …. mein persönliches Ziel, mindestens 80 Prozent der Punkte des Gewinners zu erlangen, erreicht. Es waren zwei wunderbare Wochen, in denen ich viele schöne und lehrreiche Flugstunden mit den besten Wettbewerbspiloten Deutschlands verbringen durfte.
An dieser Stelle auch noch einmal einen herzlichen Dank an meinen Verein, dessen Maschine ich fliegen durfte und an meine Rückholer Jan Fröhlich und Marius Piepenburg“.

Nachtrag:

Samstags, nach der Siegesfeier fuhr die erfolgreiche Mannschaft wieder heimwärts. Aber schon am Sonntag Morgen saß Wahlig wieder in seiner LS3 am Bensheimer Start, Kurs Ost, Ziel Görlitz. Nach 403 km landete er – in Zwickau.

Fotos: Uwe Wahlig, Isa Held, Karsten Piepenburg